neuromarketing

Neuromarketing: Unfreundliche Invasion unseres Gehirns?

Facebook will unsere Gedanken lesen und kann traurige Jugendliche identifizieren: Neuromarketing verspricht, unser Unterbewusstsein zu beinflussen. Fallen da die letzten moralischen Barrieren?

Wenn es nach den jüngsten Entwicklungen und Innovationen geht, wird unsere Zukunft gespenstisch: Unsere Gehirne schreiben Social-Media-Posts, ohne dass wir sie tippen müssen. Die Werbung greift tief in unser Unterbewusstsein ein, kennt unsere Wünsche und Bedürfnisse und steuert unsere Käufe, ohne dass wir einen Finger rühren müssen. Ist das die Zukunft, von der wir träumen? Auf einer Entwicklerkonferenz stellte Facebook kürzlich ein völlig neues Konzept vor. Das weltweit führende Online-Netzwerk will Menschen direkt aus dem Gehirn Worte in ihre Computer schreiben lassen. Nicht weniger als 60 Forscher sind auf das visionäre Projekt angesetzt. Das klingt nach Science Fiction – und bleibt es hoffentlich auch. Zwar betont Facebook, dass man keinesfalls beabsichtige, wahllos die Gedanken der Nutzer zu lesen – nur jene, die an das Sprachzentrum weitergeleitet würden, seien angeblich gemeint. Wie man diese von anderen Gedanken zu trennen beabsichtigt, darüber schweigt sich Facebook aus. Dennoch dürfte schon die Ankündigung Datenschützer, Politiker und User aufschrecken. Denn Facebook verdient Milliarden mit Werbung, die individuell auf die Nutzer zugeschnitten wird.

Die australische Zeitung  «The Australian » veröffentlichte vor einiger Zeit ein geheimes Dokument, in dem beschrieben wird, wie man durch Facebook-Beiträge von Jugendlichen auf deren Stimmung schliessen kann. Dem Bericht zufolge ist es Facebook möglich, Informationen zur Psyche der Nutzer zu sammeln, um damit Geschäfte zu machen. Mit dieser neuartigen Form der Überwachung überschreitet Facebook auch in den Augen vieler Marketingfachleute eine rote Linie. In einem ersten Statement entschuldigte sich Facebook zwar. Doch es wird den Konzern wohl nicht davon abhalten, solche Datenanalysen weiter zu betreiben. Uns bleibt da lediglich der Appell «wehret den Anfängen!».

 

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