Retro wird topaktuell: Handschriftliche Briefe sind Türöffner im Marketing

Wie durchdringt man das mediale Rauschen effizient? Es mag etwas vorgestrig tönen: mit handschriftlichen Briefen. Denn sie packen die Empfänger dort, wo andere Reize versagen – im Unterbewusstsein.

Immer mehr Angebote kämpfen um eine biologisch knappe Ressource: unsere Aufmerksamkeit. Das menschliche Bewusstsein funktioniert deshalb wie eine Firewall, die Sinneseindrücke nur sehr selektiv passieren lässt. Aber wie schafft man es, in die Köpfe der Empfänger und vielleicht sogar bis zu ihnen nach Hause oder auf den Schreibtisch zu gelangen? Mit Botschaften, die als bedeutsam wahrgenommen werden – und dafür muss eine entsprechende Wertigkeit vermittelt werden. Ein handgeschriebener Brief tut genau das, wobei die inzwischen schon fast antiquierte Wahl des Offline-Kanals diese Wirkung noch verstärkt. Denn das Unterbewusstsein bewertet automatisch immer auch den Aufwand, den der Absender anscheinend getrieben hat. Natürlich «anscheinend», es liegt ja buchstäblich auf der Hand, dass niemand wirklich in der Lage ist, Massenbriefe manuell zu verfassen. Individualisierte Schriften stammen deshalb neuerdings aus der Hand von Robotern, welche beliebige Brieftexte samt adressierten Couverts mit realitätsnahen Stiften tatsächlich schreiben und eben nicht bloss drucken. Der Effekt ist eindrücklich, wenn auch nicht wirklich überraschend: Rücklaufquoten von über 20% sollen nicht selten sein. Wobei selbstverständlich auch hier der Inhalt letztlich entscheidend ist. Denn banale Werbebotschaften bleiben auch in Handschrift banal.

 

 

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